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Wissenschaftlich orientierte Beiträge


Das sonderbarste Schiff der Weltgeschichte

 

Aus dem Vorwort

Die Arche gehört zweifellos zu den faszinierendsten Schiffen, die je gebaut wurden. Ist es da verwunderlich, dass Fragen über Fragen zu diesem „sonderbarsten Schiff der Weltgeschichte“ gestellt werden? Wie war es möglich, dass nur acht Personen über ein Jahr lang eine ganze Tierwelt versorgen konnten? Wie gelangten die Tiere auf die Arche, und wie kommt es, dass manche Tierarten nach dem Ausstieg in so entlegene Gegenden wie Australien, Südamerika oder Sibirien gelangen konnten? Welche technischen Hilfsmittel standen Noah zur Verfügung, um ein so gewaltiges Schiff als einfacher Nomade herstellen zu können? Wie wurde die Arche beheizt, belüftet und beleuchtet? Wer kalkulierte den Jahresvorrat an Futter? Woher kam das Trinkwasser – gab es zuvor gefüllte Wassertanks, oder wurde Regenwasser aufgefangen? Wie geschah die Entsorgung? Woher kannte Noah die richtigen Abmessungen für ein Schiff mit solchen Anforderungen? War dieses Schiff überhaupt hochseetauglich, um über ein Jahr lang Wind und Wellen trotzen zu können?

Es ist hier nicht der Platz, um auf alle diese Fragen eingehen zu können. Einer bedeutsamen Frage allerdings, nämlich der nach der Seetüchtigkeit und dem Materialbedarf, wollen wir hier unsere besondere Aufmerksamkeit widmen.

Beeinflusst durch bibelkritische Theologie sehen viele Zeitgenossen die Entstehung der Bibel nicht mehr als von Gott autorisiert an. Nach ihrer Auffassung sind die Urheber Menschen mit verschiedenen Ansichten und aus verschiedenen Kulturen. Als Quellen dienten angeblich diverse Erzählungen und Epen, die nach eigenem Gutdünken variiert und ergänzt wurden. Nach einer ersten niedergeschriebenen Version wurden die Texte dann revidiert und immer wieder neu zusammengestellt. So darf es uns nicht wundern, wenn bei solchen Voraussetzungen die heute vorliegenden Texte heftig kritisiert und in Frage gestellt werden. Oft haben Deutungen mit dem biblischen Text nur noch wenig gemeinsam. So wird z. B. behauptet, dass es sich bei der Sintflut, wenn es sie denn überhaupt gegeben hat, nur um eine regionale Flut gehandelt habe, obwohl die biblischen Aussagen dem entgegenstehen (z. B. Gen. 7,21-23; Lk 17,26-27). Weiterhin wird angenommen, der biblische Bericht sei vom babylonischen Gilgamesch-Epos beeinflusst, obwohl Gott im Sintflutbericht immer wieder der Redende ist (z. B. Gen 7,1.5; 8,15; 9,12).

Entgegen solchen Vorstellungen gehen wir davon aus, dass der Sintflutbericht wie auch die gesamte Bibel göttlich inspiriert ist, d. h. Gott, der Vater (2. Tim 3,16), der Sohn (Gal 1,12) und der Heilige Geist (2. Petr 1,21) sind die eigentlichen Autoren. Darum konnte Jesus beten: „Dein Wort ist die Wahrheit“ (Joh 17,17), und der Apostel Paulus gab jedem Satz der Bibel das volle Vertrauen: „Ich glaube allem, was geschrieben steht“ (Apg 24,14).

Unter dieser Voraussetzung waren die in der Bibel genannten Abmessungen für die Arche nicht Noahs Ideen, sondern von Gott gegeben. Somit müssten diese Vorgaben die besten sein, die man aus bautechnischen Gründen für ein Schiff wählen würde. Wozu Noah damals nicht in der Lage war, das sind wir heutzutage: Mit dem derzeitigen schiffbautechnischen und mathematischen Kenntnisstand sowie dem unentbehrlichen Werkzeug zur Ausführung numerischer Berechnungen, dem Computer, können wir die von Gott gegebenen Abmessungen verstehen lernen. Wie in der vorliegenden Arbeit detailliert dargelegt, kann nun nachgewiesen werden, dass die Arche hinsichtlich der beiden wichtigsten Konstruktionsmerkmale, „hohe Schwimmstabilität bei gleichzeitig sparsamem Materialeinsatz“, die bestmöglichen Abmessungen aufweist. Wie die mathematischen Gleichungen belegen, wirken sich diese beiden Forderungen in gegenläufigem Sinne auf die Abmessungen der Arche aus. Mit Hilfe eines numerischen Opti-mierungsprozesses lassen sich jedoch die optimalen Werte ermitteln.

Das Ergebnis ist zwar höchst erstaunlich, aber aus der Sicht des biblischen Glaubens dennoch geradezu erwartet. Kein anderes als das biblisch bezeugte Breiten-zu-Höhen-Verhältnis hätte ausgeführt werden dürfen, um die beiden Einflussgrößen – hohe Schwimmstabilität und möglichst geringer Materialeinsatz – optimal zu kombinieren. Noah konnte diese mathematischen Rechnungen, die wir hier im Detail einem interessierten Leserkreis zugänglich machen wollen, nie und nimmer durchführen. Nur darum, weil Gott sie vorgegeben hat, mussten sie optimal sein. Damit können wir drei wichtige Ergebnisse festhalten:

  1. Der Sintflutbericht ist keineswegs von Menschen erdacht, sondern göttlichen Ursprungs.
  2. Wie dieses Beispiel eindrücklich belegt, kann auch mathematisches Rüstzeug hilfreich sein, um die Bibel besser zu verstehen und um falsche Lehren zu widerlegen.
  3. Die weitverbreitete Annahme, der biblische Sintflutbericht sei vom babylonischen Gilgamesch-Epos beeinflusst, ist – wie hier rechnerisch nachgewiesen wird – grundlegend falsch. Die im Epos genannte „Arche“ ist ein Würfel mit sieben Stockwerken. Eine solche Konstruktion ist hinsichtlich der erforderlichen Schwimmstabilität äußerst instabil.